Goethe und sein Geistesverwandter Hafis

Hafis wurde um 1320 in Shiraz (Persien) geboren. Er hat seine Heimatstadt nie verlassen, sein Ruhm reichte jedoch bereits zu seinen Lebzeiten weit über die Grenzen Persiens hinaus. 

Rund ein halbes Jahrtausend später waren viele Dichter im Abendland begeistert vom Werk Hafis' und versuchten, ihm nachzueifern.  

Hafis war für Goethe ein bewundernswerter Dichter und Geistesverwandter, von dem er sich über die Jahrhunderte hinweg zu einem dichterischen Wettstreit herausgefordert fühlte. In seinen Briefen an Marianne von Willemer benutzte er sogar Hafis-Verse zum Austausch von verschlüsselten Liebesbotschaften.

In dem Gedicht "Unbegrenzt" aus dem West-östlichen Diwan kommt Goethes Bewunderung für Hafis zum Ausdruck:

Und mag die ganze Welt versinken,

Hafis, mit dir, mit dir allein
Will ich wetteifern! Lust und Pein
Sei uns, den Zwillingen, gemein!

Wie du zu lieben und zu trinken,

Das soll mein Stolz, mein Leben sein.

Auch andere Dichter beigeisterten sich für Hafis, insbesondere Friedrich Rückert, der berühmte und geniale Orientalist drückte seine Bewunderung in folgendem Wortspiel aus:

Hafis, wo er scheinet Übersinnliches

Nur zu reden, redet über Sinnliches;

Oder redet er, wo über Sinnliches

Er zu reden scheint, nur Übersinnliches?

Sein Geheimnis ist unübersinnlich,

Denn sein Sinnliches ist übersinnlich.

 

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